25.11.2014 | Nachfolgeregelung – Wenn der Abschied schwerfällt

Am Ende ihrer Laufbahn stehen viele Familienunternehmer vor dem gleichen Problem: Jahrzehntelang haben sie geackert und viel Herzblut in den Aufbau ihrer Firma gesteckt - doch wer soll das Lebenswerk in die Zukunft führen?

Der Nachfolger-Notstand lässt Wirtschaftsverbände Alarm schlagen, und Abhilfe ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Ein schwacher Gründergeist in Deutschland, der demografische Wandel und die Digitalisierung der Wirtschaft dürften die Probleme künftig weiter verschärfen.

Rund 135.000 Familienunternehmen mit insgesamt zwei Millionen Beschäftigten müssen sich nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in diesem und den kommenden vier Jahren nach einem neuen Chef oder einem Käufer umsehen.

In manchen Branchen übersteigt ihre Zahl um ein Vielfaches die der potentiellen Nachfolger, beklagt die deutsche Industrie- und Handelskammer. Am drängendsten sind die Probleme demnach in der Industrie, wo auf fünf Alteigentümer ein potenzieller Übernehmer kommt.

Das liegt vor allem am hohen Kapital- und Investitionsbedarf: Wenn der alte Chef abtritt, müssen häufig Maschinenparks modernisiert, Produktsortimente umgestellt und Geschäftsmodelle überarbeitet werden.

Zusätzliche Herausforderungen bringt die Industrie 4.0 mit ihren vernetzten Produktionsprozessen und ganz neuen Kundenbeziehungen. Aber auch Handel, Gastronomie und Verkehrsgewerbe haben zu kämpfen - dort liegt das Verhältnis zwischen Altunternehmern und potenziellen neuen Chefs bei knapp zwei zu eins.

Dabei sind die Probleme oft hausgemacht: Vor allem viele ältere Unternehmer können nur schwer loslassen und ihr Lebenswerk einem Jüngeren anvertrauen. Deshalb kümmern sie sich nicht rechtzeitig um Lösungen und wachen erst auf, wenn es schon fast zu spät ist.

Manche Firmenpatriarchen gehen auch mit unrealistischen Preisvorstellungen auf die Käufersuche. Oder es fehlt an qualifizierten Anwärtern auf den Chefposten: Gerade in der Industrie sollten sie nicht nur Erfahrungen in der Unternehmens- und Mitarbeiterführung, sondern auch technisches Know-How mitbringen - das hat leider nicht jeder Kandidat vorzuweisen.

Quelle: Handelsblatt