26.02.2015 | Deutschland ist ein Investoren-Magnet

Geldgeber aus dem Ausland suchen Beteiligungen bei europäischen Firmen. Auch Amerikas Starinvestor Warren Buffett hat mit dem Motorradausrüster Detlev Louis nun ein deutsches Unternehmen übernommen - und das soll erst der Anfang sein.

Europäische Unternehmen ziehen das Interesse internationaler Investoren auf sich – und Deutschland spielt dabei eine bedeutende Rolle. Während Beteiligungsgesellschaften im bisherigen Jahresverlauf global weniger aktiv sind als im Vorjahr, stützt Europa die Bilanz: Als einzige Region ist das Volumen hier nicht gesunken, sondern angezogen und das gleich um gut zwei Drittel, wie eine aktuelle Statistik des Datendienstes Dealogic zeigen. Deutschland ist besonders beliebt: Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC unter 200 Private-Equity-Gesellschaften sehen drei von vier Befragten Deutschland auf Sicht der nächsten fünf Jahre als attraktivsten Markt für Investitionen in Westeuropa.

Und nicht nur Private Equity mag das Land, das noch vor eineinhalb Jahrzehnten als „old-economy-lastige“ Volkswirtschaft galt, mit zu wenig Bezug zu Hightech-, Biotech- und Internetgesellschaften. Der bekannte amerikanische Investor Warren Buffett hat über sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway, das anders als Beteiligungsunternehmen langfristig investiert, den Motorradausrüster Detlev Louis übernommen. Es ist zwar nicht Buffetts erstes Engagement hierzulande; auch die frühere Kölnische Rückversicherungsgesellschaft gehört schon zu seinem Besitz. Und der Deal ist mit einem Volumen von etwas mehr als 400 Millionen Euro vergleichsweise klein. Aber: Der Erwerb soll als „Türöffner“ dienen. Und: Er sei interessiert, weitere deutsche Unternehmen zu kaufen, sagte Buffett dem „Handelsblatt“.

Renaissance für Investitionen in Europa<br />Wilken von Hodenberg, Co-Sprecher des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) sieht die stabile Industriestruktur in Deutschland als großes Plus. Er erinnert an die Zeit um die Jahrtausendwende und kurz danach, als Deutschland „wie eine sklerotische Wirtschaft“ dagestanden habe. Aber gerade die alten Industrien gelten jetzt als attraktiv. „Da erzähle mal einer, Auto und Maschinenbauer seien sterbende Industrien.“ Am Rande des momentan laufenden Branchentreffs Super Return in Berlin ist immer wieder vom attraktiven Mittelstand die Rede. Generell erlebt Europa seit geraumer Zeit eine Renaissance. Die Volkswirtschaften stagnierten zwar oder wüchsen langsam, sagte Steve Koltes, Co-Gründer des Finanzinvestors CVC. „Aber es ist voller großartiger Unternehmen. Die wachsen nicht viel in Europa, aber anderswo.“ Laut Dealogic haben Finanzinvestoren im bisherigen Jahresverlauf auf dem Kontinent für 26,7 Milliarden Dollar Firmen ge- oder verkauft oder an die Börse gebracht, 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen liegt das globale Volumen bisher gut ein Drittel zurück.

Der niedrige Eurokurs spielt übrigens nur vordergründig eine Rolle; Investmentbanker relativieren immer wieder die Bedeutung der Währungskurse bei den Übernahmen. Zwar mache der schwache Euro die Unternehmen jetzt zum Beispiel für amerikanische Käufer absolut gesehen billiger. Aber in Relation zu den Gewinnen, die ebenfalls in Euro anfallen, bleibt er gleich. „Die Währung, in der Sie akquirieren, geht mit in die Erträge ein“, sagt Ken Fritz von der Investmentbank Lazard. „Da bekommen sie also auch weniger Euro als Gewinn zurück.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine