08.12.2014 | Baden-Württemberg brummt

Die M&A-Aktivitäten in Baden-Württemberg sind in den vergangenen zehn Jahren stärker gestiegen als in den restlichen Bundesländern. Im Vergleich zum Basisjahr 2004 war die Anzahl der Fusionen und Übernahmen, an denen Unternehmen aus dem Südwesten beteiligt waren, 2013 um 115 Prozent höher. Für die übrigen Bundesländer beträgt der Anstieg im selben Zeitraum nur 72 Prozent.

Allerdings schwankt die M&A-Entwicklung in Baden-Württemberg stärker als im Rest der Republik. Die Wirtschaft im „Ländle“ erlebte ab 2004 einen regelrechten M&A-Boom, in dessen Verlauf die Aktivitäten bis 2008 um 183 Prozent anstiegen, während sich das M&A-Wachstum in Restdeutschland nur um 107 Prozent erhöhte. Im Zuge der Krise brach die Anzahl der Transkationen
in Baden-Württemberg überproportional ein. Vom Höchststand von 283 Indexpunkte im Jahr 2008 sank die Anzahl der Transaktionen bis 2011 auf 153 Indexpunkte und erreichte damit den niedrigsten Wert seit 2005. In den anderen Bundesländern fielen die Auswirkungen der Krise mit einem Rückgang von nur 39 Indexpunkten weniger als halb so deutlich aus. Dadurch lag der Indexwert für Baden-Württemberg 2011 erstmals unter dem Restdeutschlands. Gegenwärtig zeichnet sich eine erneute Trendwende ab. So kletterten die M&A-Aktivitäten von 2011 bis 2013 wieder auf ein Niveau von 215 Indexpunkten. 

Baden-württembergische Unternehmen gehen dabei gerne in der Fremde auf Shopping-Tour: Übernahmen nicht-baden-württembergischer Firmen stellen knapp die Hälfte ihrer M&A-Aktivitäten dar. Bei zehn Prozent der Transaktionen haben Käufer und Ziel ihren Sitz in Baden-Württemberg. Einen großen Anteil der positiven Entwicklung trägt die Automobil- und Maschinenbaubranche. Nachdem sie 2008 schwer von der Krise getroffen wurde, wuchs die Anzahl der Verkäufe seit 2010 wieder um 80 Prozent von 15 auf 27 pro Jahr an. Viele Firmen waren krisenbedingt unterbewertet und litten unter Liquiditätsengpässen – perfekte Bedingungen für Übernahmen durch Investoren. Nichtsdestotrotz kann es auch ein Vorteil für die Wirtschaft sein, wenn Firmen den Besitzer wechseln, da so Schließungen verhindert und Kostenersparnisse erzielt werden. Bei einer weiteren Erholung ist auch mittelfristig mit einer Steigerung der M&A-Aktivitäten in Baden-Württemberg zu rechnen.

Quelle: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Bureau van Dijk