22.06.2016 | 2016 entwickelt sich zum Rekordjahr für chinesische Investitionen in Deutschland

Die M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland werden im ersten Halbjahr 2016 deutlich zulegen und könnten laut der PwC-Analyse „Chinesische M&A-Aktivitäten in Deutschland“ bis Jahresende neue Rekorde erreichen.

Für das 1. Halbjahr 2016 prognostiziert die Studie, verglichen zum Vorjahreszeitraum, einen signifikanten Anstieg der Transaktionsvolumen von 737 Mio. € im ersten Halbjahr 2015 auf 3,4 Mrd. €. Die Zahl der Fusionen und Übernahmen wird sich der PwC-Halbjahresprognose zufolge auf 30 von 18 im gleichen Zeitraum 2015 nahezu verdoppeln. Verglichen dazu schlugen im 2. Halbjahr 2015 rund 17 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 503 Mio. € zu Buche.

2016 wird nach derzeitigem Stand ein Rekordjahr für chinesische Investitionen in Deutschland werden und auch die Zahl der börsennotierten Investoren aus Fernost dürfte 2016 ebenfalls kräftig steigen. Gleichzeitig richten die chinesischen Interessenten ihr Augenmerk auf neue Branchen in Deutschland. So werden Investitionen in die Bereiche Konsumgüter, Umwelt- und Automatisierungstechnik sowie in Gewerbeimmobilien zulegen. In den vergangenen fünf Jahren investierten chinesische Käufer bevorzugt in deutsche Industrieunternehmen, insbesondere in Maschinen- und Anlagenbauer sowie in die Automobilbranche.

UK und Deutschland wichtigste Zielländer in Westeuropa

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland damit nach Großbritannien eines der wichtigsten Zielländer für chinesische Investoren. Die bislang größte abgeschlossene Transaktion auf dem deutschen Markt war der Verkauf des niedersächsischen Waste to Energy-Unternehmens EEW an Beijing Enterprises für mehr als 1,4 Mrd. € Anfang 2016.

Bei ihren M&A-Transaktionen fokussieren sich Käufer aus China mittlerweile häufig auf Carve-outs deutscher Konzerne oder Familienunternehmen. Hauptgründe für die chinesischen Investitionen sind der deutsche Markteintritt sowie der Erwerb neuer Technologien, Expertise und Marken.

Immer mehr chinesische Firmen aus der zweiten Reihe auf Einkaufstour

Strategische Überlegungen gewinnen bei den Transaktionen ebenfalls deutlich an Gewicht. Chinesische Investoren füllen ihre Rolle als neue Gesellschafter in den übernommenen Unternehmen zunehmend mehr aus und investieren über den Kaufpreis hinaus in ihre Beteiligungsunternehmen. „Für einen chinesischen Investor muss sich die Investition nicht kurzfristig amortisieren“, sagt Schwarzer. „Sehr häufig wird auch die Vereinbarung getroffen, dass die Gewinne der ersten Jahre nach der Übernahme nicht ausgeschüttet werden.“

Während bis 2010 vorwiegend chinesische Staatsunternehmen in Deutschland auf Einkaufstour gingen, treten seither zunehmend auch Privatunternehmen insbesondere aus Südchina in Erscheinung, die deutlich aktiver als die meisten Staatsunternehmen vorgehen. „Beim Verkaufsprozess zeigt sich insgesamt, dass die chinesischen Investoren und ihre M&A-Teams immer professioneller auftreten“, erläutert Schwarzer. Entsprechend hat die Zahl der Fehlinvestitionen deutlich abgenommen.

Quelle: Corporate Finance weekly